Spieltrieb - Regionalexzess

Die meisten CDs sind rund, aber längst nicht alle sind eine runde Sache. Dass es sich bei dieser CD aber um eine rundum gelungene Scheibe Ton handelt, kann ich ruhigen Gewissens sagen.

Spieltrieb, das ist feinstes Liedermaching - sorgfältig hergestellt und ansprechend serviert von Philipp Kasburg und Lennart Quiring aus Oldenburg.

Ich habe die beiden äußerst geselligen Jungs vor einem dreiviertel Jahr auf einem Konzert kennengelernt, wo sie im Vorprogramm für Mike Godyla gespielt haben. Ich war mit zwei Freunden da, weil man Mike Godyla hier im Norden ja leider nicht so oft zu Gesicht bekommt und der Name Spieltrieb sagte uns bis dato nichts. Zwei Tage vor dem Konzert hatte Lennart mich angeschrieben, wegen etwas, was er mir aber noch nicht sagen wollte - er bat mich einfach nur drum, ihn nach dem Konzert anzusprechen. Rätselhaft, aber umso gespannter war ich auf das was uns erwartete - und wir wurden nicht enttäuscht :) Nach drei Liedern war ich bereits überzeugt: Das geht nicht mit rechten Dingen zu, dass uns hier so ein überdurchschnittlich gutes Programm von einer bis dahin unbekannten Kombo präsentiert wird - die beiden haben das was sie machen einfach drauf, haben ein Gefühl dafür, wie man ein Publikum rockt.

Warum ich das alles erzähle bevor ich über die CD schreibe? Zum einen hat das, was Lennart mich fragen wollte mit dieser CD zu tun (dazu später mehr) und zum anderen sei erwähnt, dass Spieltrieb egal ob auf CD oder live zu begeistern wissen. Die Texte sind ausgefeilt und gut pointiert, die Zweistimmigkeit im Gesang harmonisch und auch mit ihren Instrumenten wissen die beiden umzugehen. Das alles führt zu einer recht vielfälltigen Mischung in ihrem Programm und genau das ist es auch, was für mich diese CD ausmacht.

Der Regionalexpress rollt direkt mit einem politischen Lied los, welches die aktuellen Arbeitslosenzahlen mal aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet und von den “Millionen fröhlicher Gesichter” handelt, die auf Grund der Erwerbslosigkeit wenigstens Zeit haben. Das zweite Lied “In letzter Zeit” geht an alle unter uns, die sich von Zeit zu Zeit extrem verpeilt fühlen (Rüdiger Bierhorst schildert den Inhalt mit den knappen Worten “Genau so ist das Leben”). In “Zeit für’s Beamen” geht es um die Tücken der menschlichen Fortbewegung - hier wird dann richtig gerockt (live sollte Philipp drüber nachdenken, Lennart vielleicht besser am Stuhl festzuschnallen).

Insgesamt hat der Regionalexzess 17 Abteile, in denen einem - wie schon erwähnt - vielfältige Kost serviert wird. Nicht nur die Liedermaching-obligatorische Spaßschiene wird gefahren, es sind auch nachdenklichere Stücke wie “Resümee” oder “So viele Gesichter” dabei. Was die Platte außerdem von der breiten Liedermaching-Masse abhebt ist, dass nicht nur zur Gitarre gegriffen wurde, sondern insgesamt um die zehn verschiedenen Instrumente zum Einsatz kommen. Mein persönliches Highlight ist denke ich “Ich will warm” - das Lied hat einen echt schönen, warmen Sound.

Wem das geschriebene Lust auf mehr gemacht hat, der sollte schnell auf spieltriebhome.de vorbeischauen und die Platte probehören. Bei Gefallen kann man sich den sich den Exzess für 12 EUR nach Hause holen - oder noch besser: Eins der Konzerte besuchen und die CD dann da kaufen ;)

Und nun noch die Auflösung: Lennart bat mich nach dem Konzert in Oldenburg, das Artwork für die kommende CD (den Regionalexzess) zu machen. Dieser Bitte kam ich dann sehr gern entgegen und es macht mich auch ein wenig stolz, auch einen kleinen Beitrag zu diesem Tonträger geleistet zu haben, eben weil er mir so gefällt. Ich würde die CD auch bedingungslos ohne diese Umstände empfehlen - es macht sie nur umso schöner für mich :)

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