font-family besucherunfreundlich?

Ich möchte mal eben eine Diskussion aus dem openBC Forum Webdesign und Usability aufgreifen, und zwar geht es um die Frage, ob die Vorgabe der CSS-Eigenschaft font-family - also die vom Browser zu verwendende Schrift - benutzerunfreundlich sei (Link zum Forenbeitrag).

Als ich davon las, war ich etwas überrascht, weil mir der Gedanke darüber noch nie gekommen ist - wieso sollte es einen Grund geben, dem Besucher selbst die Wahl über die Schrift zu geben, die für die Anzeige der Website verwendet wird? Das wäre ja schließlich so, als wenn ich mein eigenes Lenkrad mitbringe, um mit dem Wagen eines Freundes zu fahren…

Nichtsdestotrotz bietet jeder normale Browser (und der IE ;)) dem Benutzer die Möglichkeit, die Standardschrift festzulegen und vielleicht gibt es ja Argumente dafür, diese zu verwenden. Im folgenden nehmen wir einmal an, dass der Benutzer bewusst eine Wahl über die zu verwendende Schrift getroffen hat:

Vorteile für den User:

  • er wird nicht bevormundet, was seine Wahl der Schrift angeht und hat somit die volle Kontrolle (tolle Alliteration) über die Lesbarkeit der Website.

Hmm, mehr fällt mir da leider echt nicht zu ein (Ergänzungen willkommen)

Nachteile für den Gestalter/das Unternehmen:

  • es gibt eine Kontrolle über das Schriftbild der Website - ein wichtiger Faktor im Corporate Design geht verloren
  • gezielte Informationsaufbereitung wird unterbunden
  • als Autor hat man quasi ein Recht auf das Festlegen des Erscheinungsbildes (und da spielt die optimalste Nutzungsmöglichkeit für den letzendlichen Benutzer auch eine wichtige Rolle in der Entscheidungsfindung)

Das sind die Fakten, sollte der Besucher bewusst seine Standardschrift eingestellt haben.

Ich behaupte aber einfach mal:

Der stark überwiegende Anteil an Surfern (sagen wir 90%) hat diese Auswahl nicht getroffen und ist sich auch nicht bewusst, dass es die Möglichkeit so einer Einstellung überhaupt gibt. Dieser Nutzer hätte durch die fehlenden Vorgaben nur Nachteile: Standardmäßig ist die eingestellte Browserschrift Times New Roman, eine Serifenschrift. Serifenschriften - und das haben wir hoffentlich alle gelernt - eignen sich auf Grund der geringen Auflösung eines Monitors nicht so gut für die Darstellung von Fließtext (ich bin mir der Ironie bewusst, dass ich in diesem Blog genau das tue, die Georgia lässt sich aber erheblich besser lesen als die Times New Roman ;)). Besser wäre hier die Vorgabe mehrerer serifenloser Schriften oder auch nur der generischen Vorgabe sans-serif. Der IE verwendet bei der Vorgabe font-family: sans-serif; allerdings die alphabetisch erste serifenlose Schrift - das muss nicht immer Arial sein und kann somit auch zu komischen Ergebnissen führen.

Ein weiterer Punkt: Der Benutzer kann nicht nur eine Standardschrift vorgeben, sondern auch ein Stylesheet vorgeben, auf dessen Basis der Browser die Website rendern soll. Klar, es kann nicht jeder User CSS, die Möglichkeit besteht allerdings - und wer so rigoros auf seine eigene Schrift besteht, wird dafür auch eine Zeile CSS lernen können (Spaß am Rande :P).

Ich fasse es mal so zusammen:

Wer Websites professionell gestaltet, bedenkt dabei auch die User und gibt ihnen die Möglichkeit, die Informationen möglichst nutzbar Anpassen zu können (z.B. Schriftgröße). Es gibt sicher Seiten, auf denen das Weglassen der Schrift-Vorgabe entfallen könnte (reine Informationsseiten, technische oder wissenschaftliche Dokumente - das Web0.1 quasi ;)), allerdings spreche ich da doch eher aus der Sicht des Gestalters, der schon von vornherein bemüht ist, dem Nutzer mit seinen Vorgaben das Optimum zu bieten. Daher sehe ich auch einfach nicht den zwingenden Nutzen (ich lasse mich aber gerne belehren), dem User diesen Freiraum zu bieten - wenn ihn trotzdem jemand gerne hätte, möge er sich einfach melden :)

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